Küstenbiologie - Coastal Biology

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Teredo Ostsee Teredo im Labor

Teredo im Labor

Drucken PDF

Testplatten aus der Ostsee

 

Gängigerweise werden für Freilandversuche (Kiefern-) Holzplatten von ca. 20 x 30 x 2 cm verwendet.

Nach vier Wochen Exposition werden sie im Labor ausgewertet, d. h. die Eintrittslöcher werden unter dem Mikroskop ausgezählt. Danach kann man die Platten problemlos im Aquarium hältern, wie erwähnt braucht man die Tiere nicht mal zu füttern (s. Biologie). Nach ca. 6 - 8 Monaten kann man mit Nachwuchs rechnen.

 

 

Bohrmuscheln im Labor vermehren

Warum will man diese Unterwasser-Monster auch noch züchten?

Unter kontrollierten Bedingungen im Labor ist es möglich, verschiedene Hölzer, Imprägnierungen usw. innerhalb kurzer Zeit auf ihre Teredo-Beständigkeit zu testen.


In natürlichen Systemen, besonders in den gemäßigten Breiten, ist der Befall mit Bohrmuscheln nicht vorhersagbar. Auch wenn die Hauptvermehrungszeit im Spätsommer bekannt ist, kann ein Larvenfall ausbleiben oder in geringer Dichte stattfinden. So schwankte der Befall meiner Testplatten in den letzten 11 Jahren zwischen Null (zwei mal) und mehreren zehntausend pro Quadratmeter. Zu testende Hölzer müssen daher mehrere Jahre im Wasser verbleiben, um eine einigermaßen gesicherte Aussage zur Anfälligkeit treffen zu können. Dann ist allerdings noch keine Vergleichbarkeit mit früheren Versuchen, bei denen unterschiedliche Außenbedingungen (Larvendichte, aber auch Salzgehalt, Temperatur, Strömungsverhältnisse) vorgeherrscht haben können.

 

Leider ist die Aquakultur von Muscheln nicht ganz einfach. Die Larven von Teredo sind klein (ca. 0,07 mm) und empfindlich, und von anderen Muschellarven kaum zu unterscheiden. Man kann sie also nicht einfach aus dem Wasser fischen, sondern muss die Elterntiere im Aquarium zur Fortpflanzung "überreden".

veliger

 

So ungefähr sehen die sogenannten Veligerlarven aus. Oben und rechts das Schwimmorgan, das Velum (Segel) mit Wimpern, die für eine bescheidene Fortbewegung sorgen. Der eigentliche Transport geschieht aber passiv, den Meeresströmungen folgend.

Isochrysis galbana

Die kleinen Muscheln wollen einige Wochen mit sauberem Wasser und kleinen einzelligen Algen versorgt werden. Man braucht also zuerst mal eine funktionierende Kultur von Isochrysis galbana, dem passenden Futter.

In diesem Planktonreaktor werden die Algen kultiviert, durch die Luftblasen wird die Kultur gut durchmischt und die Zellen werden besser in der Schwebe gehalten.


Alternativ können auch synthetische Futter bzw. konservierte Algenkonzentrate verwendet werden, um die Muschelzucht zu vereinfachen. Dazu werden in der Küstenbiologie derzeit Tests durchgeführt.


Wenn alles funktioniert, können Holzteile beliebiger Form und Größe auf Teredo-Resistenz getestet werden. Dabei können die Bedingungen gesteuert und z.B. an den voraussichtlichen Einsatzort (Salzgehalt der Ostsee!) angepasst werden. Eine Simulation extremer Larvenfalldichten kann zusätzliche Sicherheit geben. Gleichzeitig kann eine Überwachung von eventuellen Exudaten durch chemische oder Ökotoxizitätstests sinnvoll sein und sehr einfach durchgeführt werden.


Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 21. Januar 2011 um 22:13 Uhr