Küstenbiologie - Coastal Biology

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Teredo Gegenmaßnahmen Prävention 2: Imprägnierung

Prävention 2: Imprägnierung

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Die Bohrmuschel-Larven sind winzig klein und relativ empfindlich (s. Biologie), daher ist es theoretisch (!) gar nicht so schwer, sie vom Eindringen in die Anlage abzuhalten. Eigentlich braucht es nur eine hauchdünne Schicht, die die Larve von ihrem Substrat trennt, und die muss noch nicht mal giftig sein.

Praktisch scheint es aber bislang shr schwierig, den richtigen Anstrich für Holz im Meerwasser zu finden. Holz arbeitet, d. h. es nimmt Wasser auf, dehnt sich aus, es bilden sich Spalten. In der Wasserwechselzone kommt die Belastung durch UV-Strahlung, Wellenschlag, Eisgang und Treibgut dazu. Auch in tieferen Bereichen kann es mal einen Bumms durch einen Schiffsrumpf geben. Ein relativ kleiner Schaden am Anstrich kann sich dabei schon fatal auswirken, weil die Larven das frei liegende Holz "wittern" und sich an der Stelle dann konzentrieren können. Daher würde ggf. ein besonders elastischer Anstrich benötigt. Im Hafen von L.A. wurde vor Jahrzehnten mit eine Poly-Urethan.Bschichtung experimentiert, aber leider wurde (mir) über die Ergebnisse nichts bekannt.

Giftige Anstriche, vor allem bei Holzschiffen, sollten die Verletzlichkeit kompensieren. Sie sollen auch in der näheren Umgebung wirken und ausser Teredo auch lästigen Aufwuchs verhindern. Leider werden sie aber im Laufe der Zeit ausgewaschen, so dass das Gift verschwindet bzw. über das Ökosystem und die Nahrungkette in unserer Fischsuppe landet. Glücklicherweise kommen Antifoulings aber immer mehr aus der Mode.

Was bleibt sind Imprägnierungen. Wenn es gelingt, den "Anstrich" unter die Oberfläche zu verlagern, wird er weniger ausgewaschen und braucht nur zu wirken, wenn der Wurm tatsächlich ins Holz beisst. Hier könnte man Mittel entwickeln, die weniger giftig oder speziell auf Teredo abgestimmt sind. Leider wird aber eher auf die chemische Keule gesetzt. Früher war das zuerst sogenanntes Kreosot oder Teeröl, wie an Land auch aus alten Telegrafenmasten bekannt ist. Sehr gut wirksam gegen Teredo, aber leider auch sehr krebserregend und daher lange verboten. Auch das vor allem in den USA verwendete CCA, Kupfer-Chrom-Arsen, ist wegen der Giftigkeit inzwischen selbst in Amerika nicht mehr erlaubt, geschweige denn in der EU. Hier wurde bis vor kurzem CKB, Kupfer-Chrom-Bor, genutzt. Die Pfähle gibt es in manchen Hafen noch und sind an der grünlichen Färbung zu erkennen. Die verwendeten Mengen sind gewaltig, für die sog. marine Imprägnierung wurden bis zu 40 kg Metallsalzlösung pro qm Holz verwendet. Aber selbst dieses Mittel wirkt nicht ewig, in einem Yachthafen, den ich seit Jahren untersuche, werden diese Pfähle jetzt als letzte durch Stahl ersetzt. Man kann also davon ausgehen, dass das Mittel im Laufe von 20 Jahren ausgewaschen wurde (entgegen der Beteuerungen der Hersteller). Vor allem Chrom gilt als bedenklich, daher wurde auch CKB inzwischen verboten.

Nach CKB kommen kupferorganische Imprägnierungen, allerdings ist auch Kupfer nicht besonders beliebt und wird vermutlich von der EU-Bürokratie verboten werden. Eigentlich gilt ja gerade für die Ostsee nach der Helsinki Konvention ein Verbot der Einbringung gefährlicher Stoffe. Folglich müsste mehr an ungefährlichen geforscht werden, und dabei kann die Küstenbiologie Hilfestellung leisten.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 19:42 Uhr